Ablauf

Für einen Geschosswohnungsbau benötigen Baugemeinschaften in der Regel - von der ersten Projektskizze bis zur Fertigstellung - 2,5 bis 3 Jahre. Der Zeitplan ist davon abhängig, wie viele potentielle Interessent/-innen durch das Projekt angesprochen werden und wie schnell alle Einheiten vergeben sind.

 

Erfahrungen der Baugemeinschaft 'MOBILE GbR' Tübingen

26 Wochen seit dem ersten Treffen sind die ersten Bewohner/-innen in das Wohn- und Geschäftshaus eingezogen. Vorher wurden einige Stationen zurückgelegt:

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Baugemeinschaft Mobile, Tübingen, Architektur Ruoff+Wied

Beim ersten Treffen im Juli 2003 gab es von einigen Interessent/-innen bereits Vorstellungen und eine erste Projektskizze für die Bebauung eines städtischen Grundstücks im Französischen Viertel, einem ehemaligen Kasernenareal in Tübingen.

Zwei Monate später lag schon ein - auf die Ideen der Interessent/-innen abgestimmter - Vorentwurf mit Kostenschätzung für ein Gebäude mit 21 Wohn- und 3 Gewerbeeinheiten vor. Erste Interessent/-innen ließen sich "ihre" Wohnungen reservieren.

Da noch mehrere Bauwillige fehlten wurde eifrig für das Bauprojekt geworben.

Die Zeit drängte, der Bauantrag sollte noch im Jahr 2003 wegen der Eigenheimzulage eingereicht werden.

Parallel entwickelten die potentiellen Eigentümer gemeinsam mit ihren Architekten ihre individuellen Wohnungsgrundrisse.

Die Werbung war erfolgreich - im Dezember wurde die Baugemeinschaft von 19 Wohnungsinteressent/-innen und einem Unternehmen als "MOBILE GbR" gegründet. Für die letzten beiden freien Wohnungen gab es ebenfalls Interessierte. Somit war das Haus komplett und der Bauantrag konnte am 19.12.2003 rechtzeitig eingereicht werden.
Als nächster Schritt folgte die offizielle Vergabe der Kaufoption für das gewünschte Grundstück im Block 25 an die Baugemeinschaft "MOBILE GbR" durch die Stadt.

Im April 2004 wurden der Kauf und die Aufteilung des geplanten Gebäudes notariell beglaubigt - was aus Platzgründen nicht im Notariat sondern in einer Gaststätte in Tübingen stattfand.

Sechs Wochen später begann der Bau mit dem gemeinsamen Spatenstich!

Spatenstich-2_200

Bis zum Wintereinbruch Ende November war der Rohbau - mit Fenstern - bereits fertig gestellt, so dass der Innenausbau dann witterungsunabhängig ausgeführt werden konnte. Inzwischen fanden regelmäßige Baugruppensitzungen statt.

Die Architekten informierten über die unterschiedlichen Materialien und Ausstattungsvarianten, so dass jede Eigentümerpartei ihre eigenen Wünsche im "Raumbuch" festlegen konnte. Auf dieser Grundlage wurden Angebote von verschiedenen Handwerksfirmen eingeholt, verglichen und die Aufträge vergeben.

 

Ende Januar 2005 fand das Richtfest statt. Und das war alles andere als gewöhnlich. Als Gäste kamen Personen aus dem Handwerk, der Planung, der Stadtverwaltung, die vom Baulärm geplagte Nachbarschaft und natürlich Freunde und Verwandte der Mitbauenden. Bei Dunkelheit, Schnee und schneidender Kälte konnten alle die ungewöhnlichen, poetischen Darbietungen des Tanztheater Treibhaus im Innenhof vom Block 25 bewundern. Hier zeigte sich auch gleich, das Potential für Aktivitäten außerhalb der Wohnungen und gemeinsam mit der Nachbarschaft.

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Richtfest mit dem Tanztheater Treibhaus

Nun folgten spannende Monate und Erlebnisse: Wie wirkt das bisher kahle Wohnzimmer, wenn die Wände frisch gestrichen sind? Wie sieht das ausgesuchte Parkett aus, wenn es frisch geölt ist? Fehlt in der Küche doch noch eine Steckdose? Wo wird der Lieblingsplatz sein?
Vier Wochen vor der Fertigstellung fanden die Vorabnahmen jeder einzelnen Wohnung statt. Eigentümer/-innen und Architekten begutachteten gemeinsam den fertig gestellten Innenausbau und hielten die Mängel fest. Den Handwerkern blieb noch Zeit zur Mängelbeseitigung. Die Wohnungen wurden termingerecht übergeben und der Einzug konnte beginnen!
Hier zeigten sich das Verbindende und die Unterschiedlichkeit - manche Familien bestellten gemeinsam einen Schrägaufzug, damit der Umzug etwas günstiger wurde; einige Parteien sind sofort eingezogen, andere ließen sich etwas Zeit damit …

Eine Einweihungsparty wurde vom "MOBILE" geplant und jetzt ist es spannend zu sehen wie die Baugemeinschaft in Zukunft zusammen leben wird …

September 2005